Marcus Triathlon Blog

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Von der Herzschrittmacher OP 2005 bis zur Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii 2009 und dem Kampf gegen den Krebs 2010


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Ironman Nizza

Rennberichte 2017Geschrieben von Marcus Ziemann Mi, September 06, 2017 22:43:47

Am 23.Juli stand dann, nach den beiden Mitteldistanzen, ein weiteres Saison Highlight auf dem Plan. Nach dem Ironman Vichy im letzten Jahr, gabe es erneut einen Sommer Ironman in Frankreich. An der wunderschönen Côte d’Azur wartete diesmal der Ironman Nizza. Aufgrund der knüppelharten Radstrecke und der hohen Temperaturen wieder mal ein Ironman der härteren Sorte.

Die Wochen vor dem Rennen waren im Job furchtbar stressig und ich kam erst am Mittwoch vor dem Rennen aus Dresden zurück. 600km zurück von der Arbeit, um direkt 1300km nach Südfrankreich durchzustarten.Und es war quasi nichts organisiert und gepackt.

So fuhren wir also zu fünft in der Nacht gen Süden. Nach 14-15 Stunden kamen wir in Nizza an. Die Unterkunft befand sich, etwa 4km von Start/Ziel, direkt an der Rad- und Laufstrecke.

Am nächsten Tag wollten wir dann die Startunterlagen einsammeln und auf der Messe stöbern. Wurde nichts draus, das Messegelände wurde wegen Sturm gesperrt. Hoffentlich nicht die Bedingungen für Sonntag, dachten wir uns.

Im Anschluss fuhren wir mit dem Auto die Radstrecke ab, was meine Laune weit nach unten trieb. Zwei Anstiege a 20-25 km und gefühlte 100km bergauf warteten auf uns. Zum Glück verfuhren wir uns in der Mitte etwas, denn den ausgelassenen Teil wollte ich wohl gar nicht sehen.

Die Strecke bot wirklich eine atemberaubende Natur, aber auch einen hammerharten Kurs.

Noch viel schlimmer für mich, die 60km mit rasanten Abfahrten ab Km 120.

Bekanntlich sind solche Abfahrten mit 60.80 km/h und Serpentinen überhaupt nicht mein Ding.

Und in der folge machte mir das mental auch sehr zu schaffen. Freitagabend ging es dann zur Welcome Party . Und ich muss sagen es war mit das beste was ich je vor dem Rennen hatte. Super Flair unter freien Himmel und eine tolle Verpflegung.

Am Samstag ging es dann kurz für ca 45min aufs Rad um die Beine zu lockern.

Danach dann Wechselbeutel packen und Räder einchecken. Es blieb noch Zeit ein wenig am Strand . Und dort begann der Kopf wieder Kirmes zu spielen. Wie ein Hund der sich gegen das Wasser wehrt, so wehrte sich irgend etwas in mir gegen diese Radstrecke, diese Abfahrten. Ich wollte einfach nicht!!!

Die Nacht zum Rennen war ganz ok. Um 3:30 klingelte der Wecker. Nach einem kurzen Frühstück ging es dann mit dem Auto in Richtung Start. Dort verlief alles reibungslos und so standen wir um 6:30 pünktlich am Start der knapp 4km im warmen Mittelmeer. Ich kam zunächst gut durchs Wasser. Die Sonne ging wunderschön über dem Meer auf und mein Tempo war mit 1:37/100m im Plan.

Nach etwa 1000m machte es plötzlich "klick" im Kopf. Von einem Moment auf den anderen war alles aus. Ich hatte keine Lust mehr auf Triathlon, auf Wettkampf. Nein, nicht auf heute, gar nicht mehr!!! Ich machte mit Gedanken wie ich aus allem sauber raus komme. So dachte ich den Rest der Radstrecke nur darüber nach wie ich auf die anderen treffe um ihnen mitzuteilen das ich aus dem Rennen bin. Nach einer Weile kam ich zu dem Entschluss noch aufs Rad zu wechseln und mich dann mit dem Rad vor das Apartment zu setzen und zu warten. Dementsprechend ging ich lustlos auf die weiteren , knapp 3000m.

Nach 1:13 stieg ich dann aus dem Mittelmeer, was mir zunächst völlig egal war. Langsam und locker wechselte ich aufs Rad und machte mich auf meinen Plan zu erfüllen und die 4 km zum Apartment zu rollen.

Es war früh morgens schon gut warm, eigentlich ein herrlicher Tag. Eigentlich, wenn da nicht eine totale Blockade im Kopf wäre. So rollte ich die Promenade des Anglais in Richtung Flughafen. Schnell war ich auf Höhe unseres Appartments. Aber irgendwie war der Kopf unten, in Rennhaltung und so rollte ich einfach weiter.

Na gut, dachte ich mir, versuche ich es. So änderte ich alles auf Race Mode und nahm Fahrt auf. Ein paar Minuten später wurde ich direkt bestraft. Ein fieses stechen an der Lippe. Ich dachte direkt an einen Insektenstich und fasste mir an die Unterlippe. Plötzlich hatte ich Ameisen am Finger, die bei mir am Mund rum machten. Höllenschmerz, aber ich musste schon selber über die Situation lachen und so änderte sich meine Laune immer mehr.

Nach etwa 20km ging es links ab und eine richtig steile Rampe rauf. Nur ein paar Hundert Meter lang, aber recht steil, so das die ersten schon ihr Rad schieben mussten.

Danach ging es direkt in den ersten 20km langen Anstieg über. Seit beginn des Radsplits hatte ich etwas Magenprobleme ,was eventuell am Salzwasser lag. So musste ich an der ersten Verpflegungsstation den ersten Dixi Stop einlegen und verlor weitere Minuten.

Am zweiten Verpflegungspunkt dasselbe Spiel. Ansonsten lief es auf dem Rad gar nicht so übel. Was mich enorm störte, auf der Rennstrecke fuhren teilweise Autos und man musste immer wieder aufmerksam sein. Sogar in kürzeren Abfahren kamen teilweise Autos entgegen. Ein Unding, wenn man bedenkt das man knapp 600€ für einen Ironman Nizza hingelegt hat.

Irgendwann kam ein Abzweig nach rechts, den wir dann als Wendepunkt ca 2km fuhren. Da lag dann auch der Fehler als wir die Strecke mit dem Auto abfuhren. Wir sind dort weiter geradeaus gefahren.

Danach folgte ein Aufstieg der an eine Tour de France Alpen Etappe erinnerte. 25km übelst den Berg hinauf bis km 100. Aber mit einer gigantischen Aussicht. Im oberen Teil konnte man schön hinab schauen und man sah die Kette von Athleten, die sich auf der Strecke nach oben quälten. Teilweise standen auch Athleten erschöpft und erbrechend am Rand. Es war inzwischen auch schon sehr warm.

Oben folgte dann ein 10km langer Abschnitt der komplett flach war und eigentlich der Erholung dienen sollte. Wir hatten dort aber so abartigen Gegenwind, das wir uns kaum auf dem Rad halten konnten.

Kurz danach holte ich dann auch Jörg ein und ein paar motivierende Worte sind Balsam für die geschundene Ironman Seele. Ein letzter Anstieg lag vor uns, bevor es dann in rasanten Abfahrten lange nach unten ging. Das lief für mich besser als erwartet. Dennoch holten mich in der Abfahrt wieder einige Athleten ein und vor allem war ich dann froh irgendwann wieder auf Meeresspiegel Höhe zu sein. Die letzten 20km gingen dann wieder flach Richtung Nizza und vor allem hier konnte ich mir wieder einige Athleten holen.

So war es fast schade das ich nach 180km mit dem Rad in die zweite Wechselzone einbog. Langsam machte es Spaß.

Der Wechsel in die Laufschuhe verlief reibungslos und mit einem guten Gefühl ging es auf die Laufstrecke. Ich merkte aber das mir die Hitze heute zu schaffen machte. Die Sonne brannte gnadenlos. So nahm ich an den Verpflegungen alles mit was ich kriegen konnte. Und das war heute sehr enttäuschend für solch einen Wettkampf. Kein Eis, keine Schwämme, keine richtig kalten Getränke und nicht mal Gels gab es auf der Laufstrecken. Ganz klar Daumen runter was die Verpflegung anging. So blieb es bei der Hitze nicht aus das immer mehr völlig erschöpft und regungslos am Streckenrand lagen. Und selbst da machte ich mir Gedanken um die Versorgung dieser "Leichen".

Ich war inzwischen voll drin, doch das Tempo war durch die ständigen Boxenstopps an den Aid Stations nicht wirklich hoch. Wobei ich mich auf der Laufstrecke doch sehr nach vorne arbeitete und vom Schwimmen n über 600 Plätze gut machte.

4 Runden waren zu laufen, mit Wendepunkt am Flughafen. Also 4 mal 5,3km und zurück. Am letzten Wendepunkt zog ich das Tempo wieder deutlich an und lief die letzten 5,3km wieder sehr ordentlich. Leider hat man durch den Rolling Start seine Startzeit nicht immmer genau im Blick und so wusste ich nicht genau wo ich stehe.

Eine Zeit von 12:02 wurde es am Ende. Meine langsamste Zeit, wenn man vom Ironman Arizona während der Krebszeit absieht. Sicherlich nichts das was ich mir vorgenommen hatte. Aber wenn man betrachtet das es Gesamtrang 322 von rund 2500 Athleten bedeutete, dann weiß man welche Bedingungen an diesem Tag herrschten.

Für mich war es auch eher ein Sieg über mich selber. Ich möchte nicht darüber nachdenken,was es angerichtet hätte, wenn ich ausgestiegen wäre. So war meine 24 Langdistanz dann doch erfolgreich und irgendwie kann man dann doch stolz sein.

Zeit für eine mentale Pause, um den Kopf wieder auf Vordermann zu bringen



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