Marcus Triathlon Blog

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Ironman Vichy 2016 - einer geht noch....

Rennberichte 2016Geschrieben von Marcus Ziemann Sa, September 17, 2016 22:26:02

Drei Wochen sind nun seit dem Ironman Vichy vergangen. Es wird dann langsam mal Zeit das geschehene in Worte zu fassen. Eigentlich reicht mein Ironman Vichy 2016 um ein ganzes Buch damit zu füllen! Selten, wirklich sehr selten lief eine meiner 21 Langdistanzen mal glatt., aber Vichy hat diesmal wirklich dem Fass den Boden ausgeschlagen. Aber der Reihe nach....

Am Donnerstag vor dem Rennen ging es die knapp 900km in den französischen Thermen Ort Vichy. Dort hatte ich ja bereits im letzten Jahr den Ironman 70.3 bestritten und kannte somit Strecke und Gegebenheiten. Hier in Deutschland war es mit gut 30 Grad ja schon recht warm, aber in Vichy war es mit 37-39 Grad noch einmal deutlich heißer.

Da ich ja zuerst für den Ironman Kopenhagen gemeldet war und erst später auf Vichy umgemeldet hatte, gab es erhebliche Probleme mit der Unterkunft.

Somit war die Unterkunft eine Blockhütte und das ganze etwa 40km vom Start entfernt.

Die Vorbereitungen mit Check-In und letzter Ausfahrt liefen reibungslos. Bereits Freitag Abend wurde, aufgrund einer Wassertemperatur von 25 Grad, ein Neoprenverbot ausgesprochen.

Durch die Schulter- und Rückenprobleme für mich nicht optimal, aber aufgrund der Temperaturen völlig verständlich.

Am Rennmorgen klingelte der Wecker, aufgrund der längeren Anfahrt, bereits um 3:45.

Vor Ort lief die Vorbereitung reibungslos und planmäßig So war ich früh genug bereit zum Rolling Start. So wurden also die 2000 Athleten wieder per Einzelstart zu Wasser gelassen. Ich sortierte mich, aufgrund der bekannten Probleme, eher verhalten zwischen 1:05 und 1:10 ein. Wenn ich nur geahnt hätte was noch folgen sollte.....

Nach dem Sprung in den Lac d'Allier fand ich recht schnell meinen Rhythmus und es fühlte sich ganz gut an. An diesem Teil des Flusses befindet sich eine Regatta Strecke. Ich fad die Strecke aber etwas unübersichtlich. Aus dem Wasser heraus hat man einfach zu viele Bojen gesehen und ich konnte kaum einsortieren ob es die von der ersten, oder zweiten Runde waren. Völlig ein Gedanken schwamm ich auf eine kleine Boje der Regatta Strecke auf. Diese war aber nicht, wie ich eigentlich dachte, aus Plastik. Die Boje war steinhart und es machte in meinem rechten Mittelfinger laut knack. Der Finger war durch und es schmerzte einfach nur. Irgendwie rettete ich mich zum Landgang. Es ging dann über den Betonsteg und von dort mit einem Sprung in die zweite Runde. Vor mir tummelten sich einige Athleten und so konnte ich einfach nur kerzengerade ins Wasser Springen. Plötzlich schlug ich mit dem linken Fuß auf dem Grund auf und riss mir dabei einen Fußnagel raus. Das alles schon zur Hälfte der ersten Disziplin., schon nach etwa 35min von 10:30 bis 11:00 std Wettkampfdauer???

Ich rettete mich durch den Schwimmsplit und kam nach, unfassbaren 1:18 aus dem Wasser. Beim Wechsel zeigten sich die ersten Probleme. Schmerzen im Finger, offener Fuß.

Ab aufs Rad und auch hier zeigte sich schnell das es nicht einfach werden wird. Ich konnte mit der rechten Hand kaum bremsen. Vom letzten Jahr kannte ich auch schon den Zustand der Straßen. Rauher Asphalt und etliche Schlaglöcher machen den Kurs nicht wirklich schnell.

Nach einigen Kilometern merkte ich plötzlich wie mein Lenker immer weiter nach unten absackte. Ich krallte ich an den Extensions fest um etwas dagegen zu arbeiten. Das konnte aber auch keine 180km lang gut gehen. Es sollte aber das geringste Problem des Tages sein. Nach kurzer Zeit machte es dann zum ersten Mal ziiiiissssssch. Fuck, ein platten im Vorderrad. Zum Glück hatte ich mir am Vortag noch einen zweiten Schlauch an den Sattel geklebt. Schlauch gewechselt und weiter. Nach kurzer Zeit erneut ziiiiiiiiiissssssssch.....What the f......!?

Ich nahm erstmal mein Pannenspray zu Hilfe, welches sich aber schnell über das ganze Laufrad verteilte, da wohl ein größeres Loch im Schlauch war. Also nächsten Schlauch wechseln und weiter. Auch diesmal sollte die Fahrt nicht lange andauern. Lauter Knall und ein schnelles zisch und mein Rennen schien gelaufen. Ich hatte kein weiteres Ersatzmaterial zur Verfügung. Am Rand waren einige Zuschauer und so kaum ein Franzose mit Rennrad auf mich zu. Leider konnte er nur französisch, bot mir aber schnell einen Ersatzschlauch an. Dank Ventilverlängerung konnte ich diesen sogar nutzen. So ging es tatsächlich noch einmal auf die Piste. Dann passierte wirklich das unfassbare., zum vierten mal ein lauter Knall !!!!!!!!!!!!!

In einem kleinen Dorf mit ein paar Häusern kam es dann zu meinem vierten Platten, allesamt im Vorderrad!!!!!!!

Ich stellte das Rad an einem Kreuz, ab und setzte mich . Fassungslos sah ich mir an wie die Athleten an mir vorbei fuhren.Zwischendurch kreuzten auch einige Motorräder den Weg, aber kein Service in Sicht. Für mich war das Rennen beendet!!!!!

Einige Anwohner standen vor ihren Häusern und beobachteten mich. Einer kam plötzlich auf mich zu und sprach mit an, natürlich zunächst auf Französisch. Aber er war dann wenigstens halbwegs der englischen Sprache mächtig. Ich erklärte im meine Ausgangslage. So viel Pech ich an diesem Tag auch hatte, so viel Glück sollte ich jetzt haben. Er war ebenfalls Sportler und bot mir ein Vorderrad an!!!

Unglaublich. Ich bleibe mitten im nichts stehen und ein Franzose bietet mit ein Zipp Vorderrad an???? Ich nickte natürlich und er marschierte los und schleppte tatsächlich ein Laufrad mit an. Da ich inzwischen fast eine Stunde verloren hatte, hatte ich es nicht mehr sonderlich eilig. Wir tauschten uns aus, damit ich am nächsten Tag das Laufrad wieder zurück tauschen konnte. Und so ging es erneut auf die Strecke. Logischerweise war ich nun soweit hinten durchgereicht, das ich ein deutlich höheres Tempo als der Rest fuhr und somit auch keinen Anhaltspunkt mehr zum Mitfahren hatte.Woher ich an diesem Tag die Motivation herbekommen habe dieses Rennen zu beenden? Keine Ahnung, aber null Gedanken ans Aussteigen.

Nach unendlichen 6:15 konnte ich dann das Rad in T2 abstellen und endlich in die Laufschuhe wechseln. Die ersten 5km konnte ich dann im 4:50er Schnitt anlaufen, aber aufgrund der Hitze und der, doch etwas angekratzten Motivation, nicht mehr lange halten. Die warmen Getränke nervten doch sehr und durch die Wasserschläuche waren die Schuhe schnell total nass und die Füße völlig aufgeweicht. In der vierten und letzten Laufrunde war es dann auch endgültig vorbei mit der Herrlichkeit. Ständige Seitenstiche wollten einfach keinen richtigen Lauf mehr zulassen. Die 11std Marke konnte ich eh nicht mehr abwenden und so watschelte ich dann irgendwann durchs Ziel.

Trotz allem aber ein wenig stolz, trotz dieser unglaublichen Schei..... an diesem Tag das Rennen beendet zu haben. Finger gebrochen, Fußnagel herausgerissen, 4 Platten.....und eine 11:xx. So sieht das kurze Fazit vom Ironman Vichy aus.

Nach meinem Finish konnte ich dann noch die Sichtweise der Athleten erleben, die sonst mit dem Cutt Off kämpfen.

Ich wechselte kurz meine Sachen und ging noch einmal auf die Laufstrecke, um meine Begleitung aus Seattle pünktlich und glücklich ins Ziel zu bringen.

Somit war der Ironman Vichy ganz sicher eine Langdistanz die man mit der Zielzeit schnell vergessen sollte, aber mit dem erlebten wird dieser Ironman noch länger im Gedächtnis bleiben



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