Marcus Triathlon Blog

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Von der Herzschrittmacher OP 2005 bis zur Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii 2009 und dem Kampf gegen den Krebs 2010


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Ironman Fortaleza

Rennberichte 2016Geschrieben von Marcus Ziemann So, Dezember 18, 2016 11:05:22

Vier Wochen ist das letzte große Rennen des Jahres nun her. Zeit das ganze endlich mal in Worte zu fassen.

Die Vorbereitung für den Ironman Fortaleza lief nicht ganz optimal. Zum einen Stress im Job und zum anderen 3 Wochen vor dem Brasilien noch ein 2 wöchiger Florida Urlaub. Natürlich herrlich zum entspannen, aber in der heißen Phase 3 Wochen ohne Rad Training ist dann auch alles andere als optimal.

Dazu wusste ich ja das nach dem Rennen die OP mit dem Herzschrittmacher auf mich warten sollte, was für den Brasilien Trip und dem Rennen eine Herausforderung für den Kopf darstellen sollte.

So ging es dann am 11.11 in den Flieger nach Brasilien. Ein neues Abenteuer sollte mich erwarten, da ich zuvor noch nie in Südamerika war. Was man so über Fortaleza gelesen hatte, flößte schon ein wenig Respekt ein. So nimmt Fortaleza Rang 7 in der Liste der weltweit gefährlichsten Städte der Welt ein. Ich kann es aber vorweg nehmen, ich fühlte mich immer willkommen und gut aufgehoben. Ich habe aber, trotz Südafrika und Mexiko, noch nie so viel Armut, Müll und heruntergekommene Häuser gesehen. Es ist einfach eine andere Welt, was aber nicht negativ gemeint ist.

Man muss halt nicht immer alles perfekt haben.

Vor dem Rennen versuchte ich vor Ort ein paar letzte Trainingseinheiten abzuspulen, was sich aber als schwierig heraus. Schwimmen war an den Stränden kaum möglich, da 3-4 Meter hohe Wellen das verhinderten. Rad Training war sehr schwierig, da die zu der einen Seite eine 3 Mio Einwohner Metropole auf mich wartete und zur anderen Seite warteten völlig kaputte Straßen und Viertel in denen man besser nicht Rad fährt und läuft.

Das andere Problem auf dem Rad war der heftige Wind, der stetig mit 30-40 km/h blies, mit Böen von 60-70km/h.

Das gute war, das es für das Rennen keine Überraschung geben konnte. Wenn man morgens aufstand, wusste man wie der Tag wird. Der Wind war immer da und morgens um 8 Uhr war es bereits brutal heiß.

Dort am Äquator ist die Sonneneinstrahlung eine ganz andere. Die Sonne steht morgens um 8 Uhr bereits hoch am Himmel, So wie es hier im Sommer selbst bei 40 Grad nie sein wird.

Vor dem Rennen unternahm ich noch einige Ausflüge und kann nur sagen das wirklich beeindruckende Seiten vom Bundesstaat Ceara kennenlernen durfte.

Organisatorisch verlief vor dem Rennen ebenfalls alles optimal. Zwar gab es das sprachliche Problem, da wirklich kaum einer englisch spricht, aber trotzdem war der Ironman Top organisiert.

Nun zum Renntag. Der Start sollte bereits um 6 Uhr erfolgen. So machte ich bereits am Vorabend meine Radflaschen für das Rennen fertig und packte dieses ins Eisfach. 2 Gelflaschen hinter dem Sattel und eine Profile Flasche am Lenker. So packte ich vor dem Start die eisgekühlten Flaschen ans Rad.

Um 6 Uhr dann die erste Start Welle. 10min später erfolgte dann mein Start. Um 4;30 wird es dort bereits hell und die Nacht Temperaturen lagen bei 25-27 Grad. Das Wasser war mit 28 Grad ebenfalls warm. Der Schwimmkurs war ein Rechteck zur linken Seite, danach ein Landgang, um dann noch einmal raus zu schwimmen und dann nach rechts in den Hafen abzubiegen. Etwa zur Mitte der ersten Runde war es wirklich grausam. Das Meer war so unruhig, das man nie einen Rhythmus finden konnte und man auch nie sehen konnte, wo man eigentlich hin schwimmt. Gefühlt war meine Performance zum Landgang gar nicht so schlecht. Die Zahlen sprachen andere Bände. Zur zweiten Runde ging dann fast gar nichts mehr. Es gab zum schwimmen aber schon viele Ausfälle und Leute die es nicht im Limit schafften. Die Strecke war mit rund 4500m auch deutlich zu lang.

Auf jeden Fall hat das Schwimmen deutlich zu viel Körner gekostet.

Auf dem Rad ging es dann Rund 60km raus,dann zur Hälfte zurück, erneut zum Wendepunkt und dann die letzten 60km komplett zurück. Der Wind blies zunächst im Rücken, was bedeuten sollte das die 30km zum Wendepunkt gegen den Wind gingen und komplett die letzten 60km zurück zur Wechselzone.

Die ersten 10km aus der Wechselzone ging es durch die Stadt.
Ein grausames Bild mit zerfallenen Häusern und viel Müll und kaputten Straßen. Danach wurde es einsamer und es ging auf einen Highway.

Nach etwa 20min nahm ich den ersten Schluck aus meiner Flasche am Lenker und stellte fest das alles bereits sehr warm war. Ich nahm alle 10km neue Flaschen auf, um zu kühlen. Aber die Flüssigkeit vermischte sich nicht, so kam ich kaum an kalte Getränke.

Nach etwa 20km wollte ich dann Gel aus meiner Flasche hinterm Sattel aufnehmen. Ich merkte aber schnell das mein Gel kurz vor dem kochen stand, so warm war die Flasche. Ein widerlicher Geschmack. Ich musste insgesamt dreimal anhalten und mich übergeben. Somit konnte ich das ganze Rennen keine Gels aufnehmen. Damit war ein Finish eigentlich schon fast ausgeschlossen.

Mit einem 36er Schnitt kam ich hinten am Wendepunkt nach 60km an. Normalerweise Top, nicht aber mit dem Wind im Rücken. Denn nach dem Wendepunkt ging es kaum noch voran. Es war nicht nur körperlich brutal gegen diesen Wind anzufahren. Auch mental eine große Herausforderung. Nach etwa 5km setzte ich zum Überholvorgang an , was einem Kampfrichter auf dem Motorrad zu lange dauerte. So setzte es tatsächlich in meinem 22 Ironman meine erste Zeitstrafe.

Kurze Zeit später ging es durch ein Gebiet mit heftigen Waldbränden und man bekam kaum Luft. Ich musste mich erneut übergeben. Das alles gab mir den Rest. Ich hielt an und wollte eigentlich aussteigen. Ich stieg erneut auf und fuhr bis km 86. Dort wartete mein Penatlty Zelt auf mich. Zu meiner Überraschung sprach mit dort einer der Kampfrichter auf deutsch an, weil dieser junge Brasilianer eine Weile in Deutschland lebte. Das gab mir wohl neue Energie und so nahm ich nach der 5 minütigen Zeitstrafe das Rennen wieder auf. Die letzten 60km zurück zur Wechselzone waren wirklich brutal hart. Bei Kilometer 178 dann noch ein Schreckmoment. Ich fuhr durch ein heftiges Schlagloch, hatte aber Glück das ich mich auf dem Rad halten konnte.

Ein schönes Gefühl dann nach 182 Kilometern wieder die Füße auf dem Boden zu haben. Die ersten Meter Lauf fühlten sich auch wirklich gut an. Es war aber so brutal heiß, das ich mich am ersten Verpflegungsstand mit allem versorgte was ich greifen konnte.

Eis in den Einteiler, Eis unter die Kappe. Dazu kalte Schwämme und Wasser. Cola in den Rachen, um endlich Energie aufzunehmen und weiter ging es. So ging es dann von Aid Station zu Aid Station. Das machte natürlich den Lauf insgesamt langsam.

Aber wichtiger war es durchzukommen.

Zu laufen waren 3x14km . In der letzten 14km Runde wusste ich das Rennen im Sack hatte und so erhöhte ich das Tempo und lies teilweise Verpflegung aus. So wurde dann auch die letzte Runde die schnellste. Die letzten 6km waren wirklich Top.

So konnte ich dann mit einem 200. Gesamtplatz und Rang 39 in der AK ins Ziel einlaufen. Es war eines meiner härtesten Rennen und so kann kann nur stolz sein gesund das Rennen nach Hause gebracht zu haben.

Wie hart es war zeigt auch das ich in der Nacht nach dem Rennen eine 1,5 L Flasche Cola und Fanta ausgetrunken habe. 3 Liter Flüssigkeit in der Nacht da!

Aber schönes Rennen. Tolle Stimmung, tolles Rennen und eine große Herausforderung.

Ich wollte das Rennen auch für 2017 wieder in meinen Plan aufnehmen, aber leider wird es nur noch als 70.3 Rennen stattfinden

Bevor es an weitere Pläne geht, gilt es erst einmal die Herz Geschichte zu überstehen.

Bis dahin wünsche ich allen erst einmal besinnliche Festtage!



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